EU AI Act Compliance:
Warum viele Herausforderungen organisatorischer Natur sind

EU AI Act Compliance meint die Gesamtheit der Maßnahmen, die ein Unternehmen ergreifen muss, um die Anforderungen des EU AI Act zu erfüllen. Welche das konkret sind, hängt von der eigenen Rolle, der Risikoklasse der eingesetzten KI-Systeme und dem jeweiligen Einsatzkontext ab.

Die Einführung der KI-Verordnung (KI-VO) hat das Thema KI-Regulierung stärker in den Fokus von Unternehmen gerückt. Gleichzeitig wird deutlich, dass viele Herausforderungen nicht ausschließlich technischer Natur sind.

Organisationen setzen heute auf komplexe Daten- und Anwendungslandschaften. Informationen zu Daten, Prozessen, Verantwortlichkeiten und Dokumentationen sind häufig über zahlreiche Systeme verteilt. Solange diese Angaben nur punktuell benötigt werden, bleibt diese Situation oft beherrschbar.

Sobald jedoch Anforderungen an Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Dokumentation steigen, werden Schwachstellen sichtbar.

Die größten Herausforderungen rund um EU AI Act Compliance

Um die strukturellen Herausforderungen einordnen zu können, lohnt sich zunächst ein Blick auf die Anforderungen des EU AI Act. Abhängig von der Risikoeinordnung des Systems und der Rolle des Unternehmens formuliert die Verordnung konkrete Vorgaben hinsichtlich Dokumentation, Transparenz und Datenqualität.

Welche Anforderungen der EU AI Act an Unternehmen stellt

Insbesondere bei Hochrisiko-Systemen stellt der EU AI Act umfangreiche Anforderungen an Transparenz, Überprüfbarkeit und Dokumentation. Dabei unterscheiden sich die Pflichten je nachdem, ob ein Unternehmen ein KI-System betreibt oder selbst als Anbieter auftritt.

Für Anbieter von Hochrisiko-KI-Systemen definiert Anhang IV der Verordnung umfangreiche Anforderungen an die technischen Unterlagen. Dazu gehören unter anderem Belege zum Verwendungszweck des Systems, zu den verwendeten Daten, zu Leistungs- und Testergebnissen sowie zu Risikomanagementmaßnahmen. Unternehmen können dabei auch dann als Anbieter im Sinne der KI-VO gelten, wenn sie bestimmte KI-Systeme für den eigenen Gebrauch entwickeln und einsetzen, beispielsweise für die Bewerberauswahl oder die Kreditwürdigkeitsprüfung.

Auch Unternehmen, die KI-Systeme lediglich als Betreiber verwenden, benötigen viele dieser Informationen zur Erfüllung ihrer Governance-, Risiko- und Compliance-Anforderungen. In der Praxis stellt sich dabei häufig die Frage, wo die relevanten Daten und Nachweise verfügbar sind, wie ihre Aktualität sichergestellt wird und welche Rolle oder Organisationseinheit für deren Pflege verantwortlich ist.

Artikel 10 des EU AI Act formuliert darüber hinaus Anforderungen an die Qualität und Governance von Trainings-, Validierungs- und Testdaten. Herkunft, Relevanz und Eignung der verwendeten Datensätze müssen transparent und belegbar sein.

Viele Unternehmen stellen bei genauerer Betrachtung fest, dass genau diese Inhalte nicht strukturiert und zentral vorliegen. Das ist häufig keine technische Schwäche, sondern eine organisatorische.

Der EU AI Act verfolgt einen risikobasierten Ansatz: Je höher das Risiko eines KI-Systems, desto umfangreicher die regulatorischen Anforderungen.

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Warum Transparenz und Nachvollziehbarkeit in der Praxis häufig schwierig sind

Informationen sind über viele Systeme verteilt

Unternehmen verwalten heute Daten über zahlreiche Plattformen hinweg: ERP-Systeme, CRM-Systeme, Data Warehouses, Analytics-Plattformen, Cloud-Umgebungen und Fachanwendungen. Dadurch entstehen Informationssilos, in denen Wissen über Datenbestände, ihre Herkunft und ihre Bedeutung verteilt vorliegt und nur schwer auffindbar ist.

Dokumentationen liegen verstreut und oft widersprüchlich vor

Zusätzliche Hürden entstehen durch verteilte Aufzeichnungen in Wikis, SharePoint-Systemen, Prozessdokumentationen, Fachkonzepten und Excel-Listen. Oft existieren Inhalte mehrfach oder in unterschiedlichen Versionen, ohne dass klar ist, welche davon aktuell und verbindlich ist.

Datenherkunft nachvollziehen

Ein weiteres Problem besteht darin, die Herkunft von Daten lückenlos zu dokumentieren. Fragen wie

  • Woher stammt ein Datensatz?
  • Welche Systeme liefern die Informationen?
  • Welche Transformationen wurden durchgeführt?
  • Welche Geschäftslogik wurde angewendet?

lassen sich in vielen Unternehmen nicht durchgängig beantworten. Genau hier entstehen Lücken, die in einer Compliance-Prüfung schnell sichtbar werden.

Verantwortlichkeiten sind oft nicht eindeutig definiert

Mit zunehmender Unternehmensgröße wird die Zuordnung von Zuständigkeiten anspruchsvoller. Für wichtige Datenbestände können Fach-, Technik-, Prozess- und Governance-Verantwortliche gleichzeitig zuständig sein. Das führt zu Überschneidungen und damit zu Unklarheiten.

Wenn Rollen unklar sind, entstehen Schwierigkeiten bei Freigaben, Dokumentationen, Abstimmungen, Qualitätssicherung und Eskalationsprozessen. Für Compliance-Nachweise ist das besonders kritisch: Wer kann im Zweifelsfall belegen, wer für einen in ein KI-Modell eingeflossenen Datensatz verantwortlich ist?

Dokumentation und Kontext als organisatorische Daueraufgabe

Viele Unternehmen verfügen über umfangreiche Dokumentationen. Die eigentliche Aufgabe liegt häufig darin, aktuelles Wissen bereitzuhalten, Zusammenhänge verständlich darzustellen, Informationen auffindbar zu machen und Versionen konsistent zu halten.

Je stärker Daten und KI-Anwendungen miteinander verknüpft werden, desto größer wird dieser Aufwand. Und je konkreter regulatorische Belegpflichten werden, desto deutlicher wird, wie weit viele Organisationen noch von einer strukturierten Umsetzung entfernt sind.

Hinzu kommt, dass viele Daten technisch verfügbar sind, der notwendige Kontext jedoch fehlt: Bedeutung, Herkunft, Nutzung, Ownership, Abhängigkeiten und Richtlinienbezug.

Ohne diesen Kontext wird Governance deutlich schwieriger und die Erfüllung von Anforderungen wie jenen aus Artikel 10 des EU AI Act zu Datenqualität und Herkunftsnachweis kaum möglich.

Praxisbeispiel: Wenn Nachvollziehbarkeit zur Herausforderung wird

Julia arbeitet im Vertrieb der Beispiel AG. Wenn ein Kunde anruft und nach einem passenden Produkt fragt, hat sie die Antwort oft schon parat – ihre KI-Anwendung liefert auf Basis von Kunden- und Unternehmensdaten innerhalb von Sekunden eine Empfehlung.

Was im Alltag reibungslos funktioniert, wird drei Wochen später zum Problem. Die Innenrevision prüft einen Vertragsabschluss und will wissen: Auf welcher Datengrundlage hat die KI diese Empfehlung gemacht?

Julia sucht. Sie fragt die IT, schaut im Wiki nach, findet eine Excel-Datei aus dem letzten Quartal und eine SharePoint-Seite, die seit Monaten nicht aktualisiert wurde. Am Ende weiß sie: Die Daten existieren irgendwo – aber wer sie verantwortet, wo die aktuelle Version liegt und welche Kennzahlen-Definition gilt, lässt sich nicht in fünf Minuten beantworten.

Genau das ist das eigentliche Problem: nicht das Fehlen von Daten, sondern das Fehlen von Kontext.

Warum Datenkontext für Compliance und Governance wertvoll ist

Der EU AI Act hat Governance-Themen wieder neu auf die Agenda gebracht. AI Governance funktioniert nicht als Insellösung. Sie braucht ein gemeinsames Fundament aus Daten, Rollen und Prozessen. Dafür müssen diese Informationen organisationsweit abrufbar sein. Und das über einzelne Systeme und Abteilungen hinweg.

Daten allein reichen häufig nicht aus, um Anforderungen an Transparenz und Überprüfbarkeit zu erfüllen. Entscheidend sind zusätzliche Angaben zu Herkunft, Bedeutung, Zuständigkeiten und Abhängigkeiten der Daten. Dieser Datenkontext hilft Unternehmen dabei:

Benötigte Unterlagen schneller zu finden

Zuständigkeiten sichtbarer zu machen

Datenherkunft belastbar zu dokumentieren

Nachweis- und Belegprozesse zu vereinfachen

Governance-Prozesse effizienter umzusetzen

Wie Unternehmen die Herausforderung adressieren können

Einzelne Compliance-Maßnahmen greifen hier zu kurz. Organisationen benötigen Strukturen, die Informationen, Verantwortlichkeiten und Zusammenhänge dauerhaft zugänglich und aktuell halten.

Wie Datenkataloge und Datenkontext unterstützen können

Datenkataloge können dabei helfen, verstreute Informationen über Datenbestände zentral sichtbar zu machen. Mögliche Unterstützungsbereiche sind die strukturierte Erfassung von Metadaten, Klarheit über Datenbestände, die Zuordnung von Ownership, die Unterstützung des Wissensmanagements sowie die Auffindbarkeit relevanter Informationen.

Ein Beispiel dafür ist D-QUANTUM.

Wie D-QUANTUM als Data Catalog & AI Context Platform unterstützt

D-QUANTUM unterstützt Unternehmen dabei, Datenkontext, Metadaten, Rollen und Zusammenhänge sichtbar zu machen. Der Fokus liegt dabei auf der Vernetzung von Wissen und Kontextinformationen über unterschiedliche Systeme und Organisationseinheiten hinweg.

So finden Governance-Teams auf Anhieb, welche Daten in ein Modell eingeflossen sind und wer dafür verantwortlich ist.

Der Datenkatalog erfüllt keine regulatorischen Anforderungen automatisch und stellt keine Compliance sicher. Er kann jedoch einen wesentlichen Governance-Baustein bereitstellen, indem er Hintergrundinformationen zu Daten nachweisbarer macht und damit die organisatorischen Voraussetzungen für Compliance-Prozesse verbessert.

Fazit

Die größte Herausforderung rund um EU AI Act Compliance liegt für viele Unternehmen nicht in einzelnen Vorschriften, sondern in der Frage, wie Informationen über Daten, Verantwortlichkeiten und Prozesse organisationsweit verfügbar gemacht werden können.

Die KI-VO zeigt präzise, welche Angaben strukturiert vorliegen müssen und wo viele Unternehmen heute noch Lücken haben. Datenkontext wird damit zu einem zentralen Governance-Thema.

Häufig gestellte Fragen zu EU AI Act Compliance

Die Anforderungen hängen von der Risikoklasse des KI-Systems ab. Insbesondere für Hochrisiko-Systeme gelten umfangreiche Vorgaben hinsichtlich Dokumentation, Transparenz, Risikomanagement und Überprüfbarkeit.

Die Rückverfolgbarkeit der Datenherkunft unterstützt Transparenz, Qualitätssicherung und Nachweisführung. Unternehmen müssen verstehen können, woher Daten stammen und wie sie verarbeitet wurden.

Nachvollziehbarkeit bedeutet, dass relevante Angaben über Daten, Systeme, Prozesse und Verantwortlichkeiten dokumentiert sind und bei Bedarf geprüft werden können.

Klare Zuständigkeiten erleichtern Governance-Prozesse, Dokumentation, Qualitätssicherung und Compliance-Nachweise. So lässt sich im Bedarfsfall schnell klären, wer für einen Datensatz oder ein Modell verantwortlich war.

Viele Unternehmen stehen vor der Aufgabe, Wissen über Daten, Prozesse, Verantwortlichkeiten und Dokumentationen systemübergreifend verfügbar zu machen. Gerade verteilte Informationsquellen erschweren Transparenz und Governance.

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